Jahresbericht 2007

Vorgeschichte

Bereits im Herbst 2006 stieß ich auf das Buch von Barbara Sher "Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüßte, was ich wollte". Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits über ein Jahr arbeitslos, hinter mir lagen zahlreiche Bewerbungen und Absagen, Versuche, im Bereich Kinderbetreuung Fuß zu fassen, waren nicht besonders erfolgreich, jedenfalls konnte ich nicht davon leben. Das Buch sprach mich daher sofort an, ging es doch darum, nicht nur zu träumen, sondern Ziele und Wünsche tatsächlich anzupacken und in die Realität zu holen, nicht wie bei einigen anderen Büchern mittels positiver Gedanken oder Autosuggestion, sondern durch konkretes Tun, d.h. was kann ich jetzt sofort und ohne mich erst großartig ändern zu müssen in meinem Leben verbessern. Ich begann daraufhin, einiges davon auszuprobieren und in die Praxis umzusetzen, arbeitete z.B.ehrenamtlich im Caritascafe, im Frauenkulturzentrum und im Weltladen. Parallel dazu meldete ich mich zu einem Erfolgsteamkurs an.

Erfolgsteam

Anfang 2007 gings los, in einem kleinen Team von Menschen, die auch aufgrund des o.g. Buches aufgewacht waren und ihre Lebenssituation ändern wollten. Unsere Leiterin führte uns konsequent an unsere Wünsche und Sehnsüchte heran, es ging anfangs nur darum, Träume wiederzuentdecken und sich selbst gegenüber einzugestehen, ohne sie sofort abzuwehren und die "realistische" Sicht von Eltern und Gesellschaft zu übernehmen, also tatsächlich erstmal ums Herumspinnen. Das war anfangs für uns alle etwas schwierig, denn zu oft hatten wir schon erlebt, wie wichtige persönliche Ziele niedergemacht wurden. Es erforderte Mut und Vertrauen. In diesem frühen Stadium tauchte die Patchworkhofidee auf. Ganz vage wollte ich auf einem Hof leben, wo vieles möglich sein sollte, wo verschiedene Projekte wie Patchwork unter einem Dach realisiert werden könnten, ein Freiraum für Menschen im Umbruch, gegenseitige Unterstützung und Respekt vor Träumen und der Sehnsucht nach einem sinnvollen Leben.

Teilziele

Natürlich kann man nicht gleich mit so einer riesigen Idee starten, daher brauchte ich ein kleines Teilziel, das ich sofort in Angriff nehmen konnte. Wie wärs z.B. mit einem kleinen Cafe in Stuttgart, wo man vielleicht 1x/Woche kulturelles Programm anbieten könnte? Oder einen kleinen Verkauf von fairen Produkten in Altenheimen, Cafes oder anderen Treffpunkten? Es galt Infos zu sammeln, zu recherchieren, Räumlichkeiten zu finden, sich mit Maklern zu besprechen, Objekte zu besichtigen, Organisations- und Finanzierungspläne zu entwickeln. Parallel dazu stieß ich bei Internetrecherchen immer wieder auch auf verlockende Hofangebote, als würde im Hintergrund die Patchworkhofidee auf ihr Recht pochen. Also entschloss ich mich, mir einen davon einfach mal unverbindlich anzusehen. Die Organisation dieser ersten Hofbesichtigung war eine Herausforderung für sich, und obwohl der Hof vom Renovierungsaufwand ein Fass ohne Boden gewesen wäre, war die Aktion quasi die "Initialzündung". Ich hatte meine eigenen Kräfte und Fähigkeiten kennengelernt, hatte erfahren, wie es ist, von anderen unterstützt zu werden und Hilfe zu bekommen und war nun hochmotiviert und voller Power, tatsächlich an meiner Patchworkhofidee zu arbeiten.

Homepage

Bereits in einem relativ frühen Stadium richtete ich eine Homepage ein. Es entsprach meiner Einstellung, dass es ohnehin nie den richtigen Zeitpunkt gibt, ein "unfertiges" Projekt zu präsentieren. Mir war es wichtig, von Anfang an Transparenz herzustellen und Interessierte über den laufenden Prozess zu informieren. Und genau wie das Projekt selbst, ist natürlich auch die Homepage einem Prozess unterworfen, es galt und gilt daher, Anregungen und Kritik aufzunehmen, zu prüfen und sie Schritt für Schritt zu verändern, hoffentlich auch zu verbessern und auszubauen.

Rechtsform

Ich wollte andere Menschen von meiner Idee überzeugen, ich wollte nicht als Hochstapler oder zwielichtiger Gauner gesehen werden, daher suchte ich nach einer anerkannten Rechtsform. Ein Verein erschien mir zu schwerfällig, meine eigenen Erfahrungen in Vereinen war auch nicht besonders gut, es ging mir zu langsam, man war zu unflexibel. Für eine Stiftung hatte ich zuwenig Geld, und es würde sehr lange dauern, das nötige Geld zusammenzusammeln, auch hier war man zu unflexibel. Ein Berater der GLS Bank riet mir zu einer gemeinnützigen GmbH, und nach genauer Recherche erschien mir das tatsächlich als perfekte Lösung, ich konnte relativ schnell und unkompliziert gründen und flexibel arbeiten.

Gründung

Teilschritte auf dem Weg waren die Ausarbeitung einer rechtsgültigen Satzung und die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt Stuttgart, nicht ganz einfach, da ich von Anfang an versuchte, das Projekt auch wirtschaftlich auf eigene Füße zu stellen, z.B. einen kleinen angeschlossenen Laden einplante, Programmangebote und Einnahmen durch Übernachtungen auf dem Hof. Mein integrativer und interdisziplinärer Ansatz stieß anfangs auch auf Skepsis, da keine klar umgrenzte Zielgruppe ersichtlich war, doch in ausführlichen Gesprächen konnten kritische Punkte näher ausgeführt und erklärt werden. Schließlich waren dank der tatkräftigen Unterstützung von Finanzamt und Rechtsanwalt alle Klippen umschifft. Am Ende des Jahres fand die Gründungssitzung beim Notar statt, die gemeinnützige GmbH war auf den Weg gebracht.

Hofrecherche

Nachdem ich anfangs eher zufällig recherchiert und recht wahllos weitere Infos angefordert hatte, kam ich schließlich nicht darum herum, genauere Kriterien für einen sog. idealen Hof aufzustellen und dementsprechend gezielter zu suchen. Die Angebote ließen sich dadurch besser sichten, vergleichen und auswählen. Der Hof nahm Gestalt an, das Projekt wurde zunehmend realisierbar. Unter Einbeziehung des Verlaufs bis zum Hofkauf 2008 habe ich insgesamt für 84 Angebote weitere Infos und Exposes angefordert, in die nähere Auswahl kamen 8 und besichtigt habe ich 3. Ich hatte anfangs die Idee, Interessenten, Sponsoren oder Unterstützer zu finden, die sich finanziell beteiligen oder spenden würden. Als das trotz entsprechender Werbung über Homepage, Foren, Flyer, Postkarten, Visitenkarten, direkter Mailanfragen etc. nicht gelang, entschied ich mich für eine kleinere Lösung, die meinen Möglichkeiten entsprach und damit in Vorleistung zu gehen.

Mitarbeiter

Parallel dazu suchte ich nach möglichen Referenten, zuerst natürlich im Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch im Internet. Ich war erstaunt, wie viele Möglichkeiten es gibt, wie viele spannende Ideen und Projekte sich entwickeln lassen. Bereits in diesem frühen Stadium erklärten sich schon einige bereit, am späteren Programm mitzuwirken, über ihre Arbeit zu berichten, einen Workshop oder ein Projekt zu gestalten oder Ansprechpartner für bestimmte Themenbereiche zu sein. Durch die Suche nach Projekten und Initiativen zum Verlinken ergaben sich interessante Kontakte, Ansätze möglicher Kooperationen oder gegenseitiger Unterstützung und Austausch von Erfahrungen.

Ausblick

2008 steht die Weiterarbeit vor Ort an. Es gilt ein kleines Angebot zu schaffen, den großen Raum und die Möglichkeiten zu nutzen und damit meine Idee wieder ein Stück voranzubringen. Ich hoffe natürlich, dass sich auch andere auf den Weg machen, ihren Träumen auf die Spur zu kommen und sie zu verwirklichen. Neuorientierung ist immer auch die Chance, sich dem Leben, das wir wirklich wollen, zu nähern und die ungeahnten Kräfte und Fähigkeiten in uns zu entdecken.