Anfang des Jahres schaute ich mir erneut einen Hof an, "das ist mein Hof", dachte ich spontan, doch natürlich schloss sich erst noch eine Bedenk- und Kalkulationsphase an, Einwände, Zweifel, kritische Punkte mussten durchdacht und besprochen werden. Das Ergebnis war jedoch eindeutig: Ja, der sollte es sein. Also folgten Hofkauf beim Notar, Regelung von Zusatzvereinbarungen wie die Neuvermessung des Teilgrundstücks direkt um den Hof herum, korrekter Eintrag ins Grundbuch, Übernahme des Pachtvertrags. Gleichzeitig musste die Wohnung in Stuttgart verkauft und der Umzug organisiert werden. Dann fuhr ich mit den Hunden im Nachtzug nach Oberndorf.
Nach der Gründungssitzung Ende 2007 richtete ich Anfang des Jahres ein Konto bei der GLS Bank ein und überwies das Stammkapital, der Eintrag ins Handelsregister konnte erfolgen. Nach dem Umzug musste er jedoch gleich wieder geändert werden, hat alles sehr viel länger gedauert als gedacht. Die vorläufige Gemeinnützigkeitsbescheinigung des FA Stuttgart gilt 3 Jahre, inzwischen habe ich jedoch bereits beim FA Tostedt eine Steuernummer beantragt und um eine neue Bescheinigung gebeten. Da für dieses Jahr ohnehin die erste Jahresbilanz angefertigt wird, steht einer Prüfung nichts mehr im Weg.
Hier räumte ich erstmal alles aus, Scheune und Ställe waren teilweise vollgepackt und zugestellt mit den verschiedensten Sachen, es galt daher auszusortieren und wegzuwerfen, leider noch nicht abgeschlossen. Im älteren Scheunenteil waren Instandhaltungs- und Renovierungsarbeiten nötig: zwei tragende Balken brauchten ein neues Fundament und ein Zugband musste zur Dachstabilisierung eingesetzt werden. Bei der Prüfung für eine Photovoltaikanlage wurde im Dach eine undichte Stelle und ein verrotteter Dachbalken entdeckt, das musste natürlich schnellstmöglich in Ordnung gebracht werden, genauso wie die Außenwand der Scheune, die langsam aber sicher in die Knie ging. Im Innenbereich wurden dank der Initiative von Jutta Schulze 2 Zimmer gestrichen.
Mit Kuchen bepackt stellte ich mich bei meinen nächsten Nachbarn vor. Durch Shantychor, Selbsthilfegruppe, Kurse der vhs , Internet lernte ich neue Leute kennen, fand Kontakt zu Künstlern und hatte mit meinen Steinfiguren eine Ausstellung im Rathaus Cadenberge. Dank meiner netten Nachbarn, der Familie von Rönn, entdeckte ich Oberndorf und Umgebung: Fahrbücherei, Schwimmbad, Kommunales Kino, verschiedene Feste. Was hier lokalpolitisch so läuft erfuhr ich in Sitzungen von Gemeinderat und Ausschüssen und beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft", wo ich in einem der Arbeitskreise mitmachte.
Bilder rund um den Hof wurden neu eingebunden und die aktuelle Berichterstattung, bisher in Form eines monatlichen Verlaufs, um die detaillierteren Patchwork-News erweitert. Private Aktivitäten wurden auf www.inga-wocker.de ausgelagert, um das Projekt übersichtlich zu halten. Dank Ina Müller-Schmoss (www.blogpatenschaften.de) bekam ich Nachhilfe im Netzwerken, konnte in ihrem Blog einen Gastbeitrag veröffentlichen und richtete einen Twitter-Account für Kurznotizen ein. Ich bemühte mich um größtmögliche Transparenz z.B. auch durch Einscannen von Originaldokumenten wie Rechnungen, Spendenaktivitäten u.ä.
Um langfristig gesehen vielleicht doch eine wirtschaftliche Grundlage zu haben, ließ ich meinen Verlag wiederaufleben und meldete einen Laden für Fairhandelsprodukte u.ä. an. Ich erarbeitete einen Online-Erfolgsteam-Workshop, der bisher wegen fehlenden Anmeldungen noch nicht stattfand, aber im nächsten Jahr erneut angeboten wird. Einen kleinen Gedankenimpuls stellten die 2x durchgeführten Verschenkaktionen dar. Und zum Jahresende gab es 4x ein Adventscafé, ein offener Treff, der im Januar fortgesetzt wird.
Den Jägern waren die Hunde zur Hauptbrutzeit natürlich ein Dorn im Auge, doch mit dem Schafdraht rund um den Hof konnten wir eine für alle zufriedenstellende Lösung finden. Der Pensionsbetrieb wurde nicht angenommen, nur ein Feriengast fand den Weg hierher. Derzeit sind die Räumlichkeiten auch noch nicht besonders geeignet. Ich bin dabei Pläne zum Um- und Ausbau zu erstellen und mögliche Alternativen zu schaffen: z.B. den offenen Treff als Zwischenschritt und niederschwelligeres Angebot, denkbar wäre vielleicht auch eine offene Werkstatt. Die Anpassung der Gebäudeversicherung zog sich über Monate hin, bis ich schließlich auf Anraten meines Nachbarn komplett den Anbieter wechselte. Meine Idee mit der Photovoltaikanlage musste wegen fehlender finanzieller Mittel erstmal verschoben werden, da zu den Anlagekosten zusätzliche Kosten für die Dachstabilisierung kommen und zuerst die nötigen Instandhaltungsarbeiten (s.o.) durchgeführt werden mussten. Die Entscheidung für ein ökologischeres Heizsystem bedarf noch genauerer Recherchen unter Berücksichtigung von zusätzlich notwendigen Maßnahmen im Bereich Wärmedämmung.
Geplant ist jetzt der Aufbau einer kleinen Landwirtschaft mit Tierhaltung, z.B. in Form einer "Nutztierarche" mit vom Aussterben bedrohten Rassen wie Angler Rindern und Poitou-Eseln, Käseherstellung und Hofladen. Mithelfen durfte ich den Sommer über bereits bei meinen Nachbarn, ich habe also Fachleute, die mir bei den ersten Schritten helfen können. Weitere Angebote im offenen Treff könnten z.B. ein Erzählcafé oder Thementreffs mit Experten und Engagierten sein. Inwiefern die Idee tiergestützte Therapie anzubieten wieder aufgenommen werden kann, hängt von Kooperationspartnern ab. Derzeit recherchiere ich z.B. nach Pferderassen wie Haflinger, Highland-Pony u.ä. und möglichen Formen der Zusammenarbeit.