Rundgang

Sabine und Heike sind gerade angekommen, sie wollen hier zwei Wochen Urlaub machen und sich auf ihre Wünsche und Lebensziele besinnen. Am Eingang werden sie schon von den Hunden begrüßt, die sich freuen, dass an diesem Nachmittag noch neue Gäste kommen. Beim Anmelden erhalten sie eine Wochenübersicht über die verschiedenen Angebote. An der Wand gegenüber ist eine große Pinnwand mit Notizen der anderen Besucher, die für ihre Projekte Interessierte oder Hilfe suchen.

Auf dem Weg in ihre Zimmer kommen sie an einem Seminarraum vorbei. Die Tür steht offen und sie sehen 4 Personen, die eifrig die Köpfe zusammenstecken und über einen Flyer von Markus diskutieren. Er will sich als Tierheilpraktiker selbständig machen, hat bereits Räumlichkeiten dafür gefunden und will nun versuchen, seinen Kunden ein entsprechendes Angebot zu präsentieren. Er ist bereits zum 3. Mal da und hält regelmäßig den Kontakt zu seinen Mitstreitern.

Ihre Zimmer sind gemütlich eingerichtet und haben einen schönen Ausblick auf das weitläufige Gelände rundum. Man sieht von hier das kleine Café im Nebengebäude, wo gerade an diesem Sonnentag einige Gäste draußen sitzen. Auch hier wird lebhaft diskutiert, gelacht oder entspannt. Zwei Frauen haben ihre Fahrräder dabei und starten im Hof gerade zu einer kleinen Spritztour in die umliegenden Wälder und Wiesen. Es ist ruhig hier oben, gerade richtig, um sich zwischendurch zurückzuziehen, allein weiterzuarbeiten oder zu sich selbst zu finden.

Beim Abendessen sind alle zusammen. So lernen sie schnell und unkompliziert die anderen Gäste kennen, erfahren schon einiges von ihren Träumen, Wünschen, Projekten und bekommen richtig Lust, auch gleich loszulegen. Sabine hat schon ganz konkrete Pläne für diese Tage hier, sie ist schon länger arbeitslos und möchte sich jetzt endlich umorientieren und im Bereich Werbung einsteigen. Was sie dazu jedoch ganz konkret machen muss, ist ihr nicht so ganz klar, sie hofft auf das Wissen der anderen bzw. will sich eine Strategie überlegen und Teilziele festlegen.

Anschließend schlendern sie noch ein wenig übers Gelände, schauen in den Weltladen hinein, hören einer Musikgruppe zu, die sich hier regelmäßig zum Üben trifft und aus Jugendlichen aus der Gegend besteht und werfen einen Blick in die Werkstätten, wo man töpfern, steinbildhauern, nähen, schweißen und Holz bearbeiten kann. Nebenan liegen noch die Requisiten eines Theaterprojekts und großformatige Gemälde und Zeichnungen.

Im Leseraum, wo sie den Tag ausklingen lassen, kommen sie mit Jürgen ins Gespräch, der vor wenigen Tagen erst angekommen ist, aber schon begeistert von der fabelhaften Unterstützung schwärmt, die er hier erfährt. Er ist Alkoholiker, hat einen Entzug hinter sich und muss sich privat neu orientieren, da viele seiner Freunde und seine Lebensgefährtin, ihn verlassen haben. Da kann Heike gleich anknüpfen, auch sie ist wieder allein, weil ihr Freund nicht mit ihrer psychischen Instabilität umgehen konnte. Sie will jetzt endlich herausfinden, was sie tatsächlich im Leben will, was ihr wichtig ist.

In ihren Betten liegend flüstern sie noch eine Weile miteinander. Am meisten beeindruckt sind sie von der Unkompliziertheit, mit der hier miteinander umgegangen wird. Es ist egal, welche Vorgeschichte man mitbringt, durch die "Mischung" profitieren alle voneinander, Schwächen fallen gar nicht ins Gewicht und jeder kann seine Stärken und Fähigkeiten einbringen. Ihre Hoffnung auf einen Raum, wo ihre Ideen und Gedanken nicht von vorneherein beschnitten und zurechtgestutzt werden, scheint sich hier tatsächlich zu erfüllen. Jedenfalls freuen sich beide schon auf die kommenden Tage.